"Neues Jahr, neuer Verwendungszweck"

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Es sollte eigentlich kein großes Ding sein, einem Fahrzeug unter Zuhilfenahme der Straßenverkehrszulassungsverordnung einen neuen Verwendungszweck zu geben. Vor einiger Zeit versuchte ich ja bereits dieses leidige Thema hinter mich zu bringen. Seinerzeit ging ich noch davon aus, dies besser an dem Ort zu machen, an dem ich Jahre vorher bereits einen zum Tesomobil umgebauten 1017ner Mercedes umtaufte. Weit gefehlt. Hier stellte man sich bei der Auslegung der Verordnungen etwas päpstlicher an als dieser selbst. Während das Fahrzeug im Frontbereich ein Offroadfahrzeug war und die höhere Stoßstange somit kein Problem darstellen sollte, verlangte der Ingenieur am Heck den auf deutschen Autobahnen obligatorischen Unterfahrschutz. Scheinbar entsprach das Tesomobil im Heckbereich nicht mehr einem Offroadfahrzeug und sollte diese Vorschrift erfüllen. Aufgrund der Bauweise des Grundfahrgestells in seiner Funktion als Sattelzugmaschine mit kurzem Rahmen hinter der Hinterachse ein nicht eben in wenigen Minuten zu behebender Mangel. Nicht etwa, dass es sich überhaupt um einen Mangel handelte, vielmehr um einen TÜV-Mangel. So übte ich mich in erst einmal in Verständnis, für die doch scheinbar im Zuge der Harmonisierung europäischer Vorgaben etwas dünner gewordenen Nerven deutscher TÜV-Prüfer. Vielleicht ist es auch einfach das Gewöhnliche bzw die Angst dessen vor dem Außergewöhnlichen. Sei's drum. Die Lösung war dann ja wie in einer früheren Meldung beschrieben, auf der letztjährigen IAA-Nutzfahrzeuge in Form eines hydraulisch aus- und wieder einfahrbaren Unterfahrschutz gefunden und schnell montiert. So ging es nunmehr nur noch darum einen TÜV zu finden, der vielleicht weniger ablehnend als vielmehr interessiert dem Außergewöhnlichen gegenübertritt. Eine Charakterfrage, wie so oft im Leben. Und - um dies vorweg zu nehmen - gesucht, gefunden und somit geschafft. Von nun an verfügt das Tesomobil über ein Vollgutachten und kann mängelfrei am deutschen und europäischen Straßenverkehr teilnehmen. Auch wurde, wie noch damals, die beim hiesigen TÜV durchaus vorhandene Vorstellungskraft nicht überstrapaziert. Fehlten letztmalig noch die für die Zulassung als Wohnmobil nötigen Einbaugeräte (die berühmte Schlaf-, Koch- und Sitzgelegenheit), war mittlerweile alles fertiggestellt.

So ergab sich ein willkommener Ausflug und eine weitere Testfahrt mit dem Expeditionsmobil - diesmal unter Winterbedingungen - in's Rheinland zum Schreiner. Küchenmöbel und Küchengeräte abholen, um sie hier herunten einzubauen. Jetzt verfügt es somit über Gasherd, Gasbackofen und einen 130 Liter Kompressorkühlschrank und die Autarkie während der Bauarbeiten ist ein weiteren Schritt vorangekommen. Die Kaffeemaschine läuft nun regelmäßig im Innern des Tesomobil, dank Inverter ist dieser dann auch schnell gekocht und auch das elektrische Helferlein Inverter genügend ausgetestet. 






Viele Arbeiten am Auto sind in der Vergangenheit gleich mehrfach durchgeführt worden. Immer wieder kommen einem nach Fertigstellung eines Gewerkes neue Ideen, wie man etwas verbessern bzw um noch eine Funktion erweitern kann. Dies ist bei erster Betrachtung vielleicht ärgerlich, ist man enttäuscht, dass man sich über die Fertigstellung nicht so recht freuen kann. Doch lohnt es sich allemal, da die Freude hinterher größer ist. Und auch andere bauen ein ums andere Bauteil gleich ein paar Male, bis die angedachte Wirkungsweise vorstellungsgemäß ist. Schließlich handelt es sich bei dieserlei Fahrzeugen nicht um Serienproduktionen, sondern immer wieder um Einzelfalllösungen und -Anfertigungen.

So z.B. auch einmal mehr bei der Integration des Bootsboilers in die Wasserversorgung des Mobils. Den hilfreichen Effekt mittels Motorabwärme das später ersehnte Duschwasser zu heizen gerade noch begrüßt, kam schnell der Gedanke auf, zudem noch eine Warmwassergebläseheizung in Form eines Boosters mit in den Kreislauf zu integrieren, um die Motorabwärme während der Fahrt gleich noch zum Heizen der Wohnkabine zu verwenden. Natürlich könnte man die Gasheizung auch während der Fahrt diesen Job erledigen lassen. Jedoch stellt sich grundsätzlich die Frage, warum man vorhandene, überschüssige Energie nutzlos vergeudet, währenddessen aber neue Energie aufzuwenden. Somit hieß es, alles nocheinmal rausreißen, die Verrohrung ändern und nachträglich den Booster sowohl in die Sitzbankmöbel, als auch in die Boilerverrohrung einzubauen. Das Ergebnis jedoch überzeugt. So wird nun der Innenraum - interessant im Winter - während der Fahrt, neben dem Duschwasser, durch einen Wärmetauscher beheizt. Dies kann automatisch über eine thermostatgesteuerte Bedienung oder einfach manuell geschehen. Ferner steht nun auch ein Extra- bzw. Notheizsystem für den Fall bereit, sollte die Truma einmal ihren Dienst verweigern. In diesem seltenen Fall kann die (ursprünglich zur Motorvorwärmung) eingerichtete Dieselstandheizung des Fahrgestelles zur Wiedererwärmung des Duschwassers, als auch zum Beheizen der Wohnkabine genutzt werden. Und das bei lediglich 100ml Dieselverbrauch stündlich. Eine, wie ich finde, effiziente und angenehme Alternative, sollte es einmal Probleme geben. Darüberhinaus kann die Wohnkabine bei Bedarf mit noch weiteren Heizkörpern bestückt werden. Meines Erachtens nicht nötig, da mehr als ausreichende Heizkraft des bestehenden Systemes vorherrscht. Jeder Mensch hat da seine eigenen Vorlieben und die Erweiterbarkeit ist somit vorhanden. Zur Not könnte ein Handtuchheizkörper im Bad installiert werden, wobei meine Handtücher immer herraußen trocknen. 



In den nächsten Arbeitsschritten wird es dann darum gehen, die restlichen Möbelteile in die Kabine zu integrieren. Zum guten Schluss dann die Kleinigkeiten, wie Wasserhahn und Badezimmerbecken, oder Duschvorhang und Einlegebrettchen für Schränke herstellen. Letztlich kommen die Polster, doch da ist der erwünschte Bezugsstoff noch nicht gefunden. 

Geplante Fertigstellung des Tesomobils ist dann der Februar oder auch gerne der März. Die beanspruchte Bauzeit beliefe sich dann auf 10 Monate, bedenke ich die ausgedehnten Urlaube, die ich während der Bauphase gemacht habe. Das kann sich sehen lassen, wie ich finde. 

Weiteres in Zukunft - momentan ist es zu kalt zum Weiterschaffen. Der Luxus eines Hallenplatzes steht den Kundenverpflichtungen meines Gastgebers entgegen und so beschränke ich mich auf das Machbare und genieße derweil andere Freuden. 

Bis demnächst ...
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