"Hinüber nach Marokko"

Reise-geschichten

Mit der Jet-Fähre ist Tanger, zumindest von Tarifa aus, sehr schnell erreicht. Ein überdimensioniertes Tragflächenboot mit Strahlantrieb bringt uns in nur 45 Minuten hinüber nach Marokko.  Das Wetter ist wunderbar, windig zwar, aber die Sonne zeigt uns ihr breites Grinsen beim Einlaufen in den Hafen von Tanger.

 

 


Perfektes timing, haben wir gerade noch den mitgenommenen Brei mit Paula im Salon gegessen, können wir nun schon von Bord rollen. Erst einmal an die Röntgenanlage. Mehr oder weniger arbeitsbeflissen wird hier ein schwerer MAN mit Röntgenbogen beladen per Elektromotor einmal hin- und einmal her bewegt, vorbei an einer Schlange PKW, die jetzt jedoch etwas kürzer ist, da wir uns mit eingereiht haben.

 

Kurz vorfahren, den Papierkram erledigen – alle Monsieurs des marokkanischen Zolls sehr höflich und zuvorkommend – vielleicht ist es auch der Babybonus – wird kurz danach vom Chef des Ganzen in den Innenraum geschaut. Sehr schön, befindet er und fragt noch obligatorisch nach deklarierungspflichtigen Dingen wie Drogen und Waffen, mit denen  wir jedoch nicht dienen können. So öffnet sich ein großes Stahltor und wir werden in das Gewusel des ersten Kreisverkehres entlassen.

 

Gemalte drei Spuren führen hinein und innerhalb des Kreisverkehres sind es bereits fünf Reihen Autos, die sich irgendwie versuchen hindurch zu zwängen. Haben sich die Marokkaner doch etwas von den Franzosen abgeschaut, denke ich mir. Jedoch so wirr, wie damals ins Mexiko-Stadt, wird es hier nicht und nach kurzer Fahrt und einigen  Eingewöhnungskilometern geht es schon ganz locker von der Hand, die Fahrerei. 

 

 

 

Wir wollen Tanger sofort verlassen und orientieren uns an den Fuß des Riff-Gebirges nach Chefchaouen - ein kleinerer Ort, der sich mit seinen bunten Häusern wie an einem schroffen, felsigen Berg festkrallt, um nicht auf das, nicht minder bunte Treiben seiner ihn bewohnenden Menschen im Ortskern, hinunter zu fallen. Ganz den Berg hinauf liegt der Camping Municipal. Für uns Drei zum Eingewöhnen genau der richtige Ort. Zwar haben wir generell vor, auch weiterhin Campingplätze zu meiden. Aber, in Städten oder Orten, die wir besuchen möchten, ziehen wir diese Variante vor.






Durch die Gassen von Chefchaouen zu wandern, heißt für uns auch den ersten Kontakt zu den Einheimischen aufzunehmen und uns mit ihrer Mentalität vertraut zu machen. Unschwer als Tourist zu erkennen werden wir auch bereits einige Male versucht zu verführen, dies und das zu probieren, oder sich einmal anzuschauen, vielleicht sogar zu kaufen. Wir belassen es erst mal beim Schauen und sind von dem bunten Treiben recht angetan. Das Obst und Gemüse für die weitere Fahrt ist schnell eingekauft. Wir bekommen so auch ein Gefühl für die örtlich und situativ durchaus unterschiedliche Preisgestaltung der Marokkaner. Sind es Araber, Berber oder andere Volksgruppen. Jeder – und das erwartet der Rheinländer erst recht – Jeck ist anders. So haben sie alle auch ihre Eigenheiten im Handeln.

Chefchaouen verlassen, geht es für uns grob in südöstlicher Richtung, wollen wir doch auch ein Zipfelchen Wüste mit Erg-Chebi besuchen, um es uns anzuschauen. Sandspielereien haben wir dort keine vor. Kamelreiten ist uns beiden geläufig und nicht sehr komfortabel und mit dem Auto in der Düne stecken zu bleiben, ist mir, in Anbetracht an unseren, lieber stabilen Tagesablauf und der Laune unserer Tochter, nicht so viel Wert, dass ich es riskieren möchte. Nur um des Fotos wegen, ist es uns auch nicht wert, sind wir ja keine Fotojournalisten noch wollen wir irgendjemanden mit LKW im Sand beeindrucken.



Aber vor uns liegt noch der Moyen-Atlas und das Hohe Atlasgebirge, die es beide zu durchqueren gilt. Stück für Stück, wir haben ja Zeit.

 

Kommentare: 0 (Diskussion geschlossen)
    Es sind noch keine Einträge vorhanden.