"Der Weg nach Hause"

weltweit unterwegs im eigenen zuhause

Ein Wahnsinn, dass sich überhaupt Leute auf den schmutzigen Parkplatz – im  Internet hieß es, dass es sich um ein zentrumsnahen Parkplatz mit Wohnmobilstellplatz handelt – verirren. Stinkende Sanitärkontainer auf einer mehr oder minder zugemüllten Parkfläche, die von unterschiedlichsten Firmen genutzt werden. Es ist der einzige Parkplatz, den man mit einem Gefährt unserer Größe anfahren kann und somit berappen wir die stolzen 30 Euro Tagespreis und haben den auf der Reise sicherlich hässlichsten Stellplatz gefunden.


Der abendliche Stadtrundgang durch Barcelona lässt uns die Ernüchterung obgleich des Stellplatzes vergessen und wir erkunden die auch im Winter gut besuchte Stadt. Sie ist sicherlich eine der schönsten Städte Spaniens und besticht durch ihre direkte Strandlage, die schöne Architektur im Zentrum und die vielen Blickfänge die sie bietet.  Schnell vergehen hier die Stunden und wir kommen im Dunkeln zurück, was den Parkplatz etwas besser aussehen lässt.

Am nächsten Tag packen wir uns Paula und machen eine ausgedehnte Stadtrundfahrt mit einem Hopp-on-Hopp-off-Bus durch Barcelona. Ich bekomme nur wenig von der Rundfahrt mit, da sich unsere Kleine heute entschlossen hat, nur noch auf dem Arm getragen werden zu wollen. Anstrengend, da wir gerade heute nicht unseren Tragegurt mit dabei haben.  Ein langer Tag mit einem langen Arm ist das. In einer der zahlreichen kleinen Tapas Bar beschließen wir den Abend, nachdem wir doch noch die Sagrada-Familia gefunden haben. Alles zu Fuß im Anschluss an unsere lustige Busfahrt.

 

Ein ausgiebiges Frühstück auf unserem schönen Stellplatz mit Karins Freundin Sonja, die spanisches Gebäck mit im Gepäck hat, ersetzt das gestern ausgefallene Treffen und wir machen uns erst Mittags bzw. am frühen Nachmittag auf, unsere langsame Heimreise oder besser Weiterreise gen Norden fortzusetzen.

 

 

Nach Barcelona wollen wir zügig Spanien verlassen, um irgendwie weiter, entweder an der französischen Mittelmeerküste, oder aber durch das Landesinnere in Richtung Schweiz hinauf zu fahren. Es sind lediglich 180 Kilometer Unterschied zwischen den beiden Strecken und wir entscheiden vor Montpellier doch stur Nord zu fahren, um über Freiburg nach Deutschland zu fahren und oben herum über München und dann über die Westautobahn zurück nach Wien zu fahren. Die französische Küste ist zu dieser Jahreszeit dann doch nicht so gemütlich. Zudem wollen wir nicht so viel Geld an Maut in Frankreich und Italien zum Fenster hinauswerfen. Zudem können wir so kurz am Bodensee vorbei fahren, um Freunde zu treffen und spekulieren noch auf einen spontanen TÜV-Termin, der beim Fahrzeug im Januar fällig ist.

 

 

Bereits im nordöstlichen Frankreich bekommen wir es mit dem ersten Puderzuckerbelag auf dem Auto zu tun und spüren den Winter. Nicht, dass es uns im Innern der Wohnkabine etwas ausmachen könnte macht das Reisen durch warme Gefilde uns dreien doch insgesamt mehr Spaß. So fahren wir zügig durch das Land und sind bald schon auf der Höhe der Schweiz. Einmal noch übernachten wir in einem kleinen französischen Dorf auf einem LKW-Parkplatz gleich neben den Sportplätzen. Sie geben sich in Frankreich aller Ortens große Mühe für – die im Sommer zahlreichen – Wohnmobile und auch Sattelschlepper Park- und Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen. In Frankreich gibt es fast überall Wohnmobil-Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten. Ein Eldorado für Wohnmobillisten.


In Freiburg staunen wir nicht schlecht über die dort herrschenden Temperaturen. Zweistellig unter Null und leichter Schnee hier und da. Wir landen zügig am dortigen Wohnmobilstellplatz direkt am Berufsschulzentrum und füllen die Gasreserven auf damit es allzeit schön warm im Innern des Tesomobil bleibt. Im fußläufig erreichbaren Hallenbad nutzen wir nochmals die Möglichkeit zum Babyschwimmen und machen uns nach etwas Ausruhen auch auf unseren Weg durch den Schwarzwald hinunter zum Bodensee. Kaiserwetter, Sonnenschein und klare Luft begleiten uns auf dem Weg durch den Schnee. Paula freut sich schon ihren kleinen Freund Oskar kennen zu lernen und so sind wir bald auf seiner Spieledecke in Salem auf dem Bauernhof. Ich nutze auch gleich die Möglichkeit in Überlingen den TÜV fürs Mobil zu erneuern und so habe ich erneut die Bestätigung ohne Mängel unterwegs zu sein.

 

 

Unsere letzte Station ist der Bodensee und ein gemeinsamer Winterspaziergang am Seeufer. Der beste Stellplatz in Deutschland, den man sich vorstellen kann. Sicherer Stellplatz mit Gasflaschenfüllen und sehr leckerer Bolognese. So konnten wir uns einmal wieder sehen, bevor es wieder Sommer wird und wir wieder einmal am See spazieren gehen können.


Von dort aus ist München auch schnell passiert und wir halten nur noch einmal, an einem Holzlagerplatz irgendwo bei Bad Aibling. Einfach von der Autobahn abgefahren, um ein paar Ecken herum in den Wald gefahren und eine ebene Fläche abseits der Hauptstraße gefunden neben einem Holzschuppen. Das Auto steht derweil inmitten einer zehn Zentimeter tiefen Schneematschpfütze – hier wollte ohnehin niemand durchspazieren, noch ein PKW durchfahren – nur die Leiter führt auf einen beschneiten Hügel, sodass wir einigermaßen aus und in die Wohnkabine kommen. Für unsere Bedürfnisse, eine ruhige Nacht zu haben, reicht es völlig und es scheint auch der Umgebung egal zu sein, dass wir hier stehen.

Am nächsten Morgen geht es weiter. Wir besorgen noch Feuchttuch-Vorräte beim letzten Deutschen Discounter und sind schnell über die deutsch-österreichische Grenze. In  Gegenrichtung nach Deutschland – vier Kilometer hinter der Deutschen Grenze machen sie neuerdings wieder Grenzkontrollen – ist ein ordentlicher Stau. Es wird womöglich wieder mal so werden wie vor dem Schengen-Abkommen und wir alle stehen an den europäischen Grenzen im Stau. Schade wäre dies.

In Haag machen wir Stopp – schnell noch ein paar Eier vom Bauern gekauft und stellen uns auf den leeren Parkplatz des Tierparkes. Alles schläft, auch die Tiere im benachbarten Tierpark. Nur der Koch eines örtlichen Hauben-Restaurantes kommt kurz auf einen Schnack vorbei, hat er uns von der Straße gesehen und wollte sich das Tesomobil mal von Näherem anschauen.

 

Bald haben wir Wien erreicht, das Auto ausgeräumt. Einige Säcke voll kommen da zusammen nach nunmehr fast drei Monaten Leben im LKW. Alles verstauen. Die Wohnung wirkt riesengroß für unsere Augen und so ziehen wir wieder ein. Nicht mehr am Straßenrand, sondern hinter Mauern und mit einem Ziegeldach über dem Kopf.  Das Mobil noch saubermachen und winterfest machen, damit nichts einfriert. Auch wenn es kurzzeitig frühlingshaft mild geworden ist in Wien, heißt das nicht, dass es nicht noch einmal richtig kalt wird. Die Waschmaschine läuft, während wir mal die Post durchblättern und uns bei Freunden wieder zurückmelden.

 
Das Reisemobil hat alles gut überstanden, ist wieder sauber und wartet nun auf seinen neuen Besitzer. Die in ihm verbauten Systeme haben sich bewährt. Sicherlich gibt es das Ein oder Andere, was ich auch wieder anders machen würde. Dies sind aber Dinge, Kleinigkeiten, die sich in diesem Falle im Wesentlichen auf das Reisen mit Baby beziehen. Technisch einwandfrei, mit frischem TÜV ausgestattet kann es sofort wieder in Betrieb genommen werden und ferne Reiseziele entdecken und befahren. Dem neuen Eigner ebenso unvergessliche Momente bescheren wie uns und Spaß am Reisen machen.


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